Hintergründe näher gebracht – die Interviewreihe zum DMF 2019
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Hintergründe näher gebracht – die Interviewreihe zum DMF 2019

Hintergründe näher gebracht – die Interviewreihe zum DMF 2019

Im Gespräch: Heiko Schulze, Bundesmusikdirektor Blasmusik

Welche Fäden zieht ein Programmverantwortlicher hinter den Kulissen? Was geschieht beim Deutschen Musikfest 2019 auf den Osnabrücker Bühnen? Und welche Voraussetzungen müssen zuvor erfüllt werden? Bundesmusikdirektor Heiko Schulze gibt uns im Interview Einblicke.

Das Deutsche Musikfest in Osnabrück ist nicht das erste, das Sie als Programmverantwortlicher begleiten. Wo setzen Sie 2019 thematische Schwerpunkte?

Das Deutsche Musikfest ist aller sechs Jahre der Höhepunkt unseres Verbandes und soll die aktuellen Leistungsstände der gesamtdeutschen Blas- und Spielleutemusik aufzeigen. In den letzten Jahren hat in vielen Orchestern und Ensembles eine unglaubliche Entwicklung stattgefunden. 2019 liegt unsere Verantwortung also darin, in Osnabrück das Deutsche Musikfest mit dem aktuellen Stand der Amateurblas- und Spielleutemusik zu präsentieren.

Wie ist Ihre Arbeitsweise?

Also erst einmal sind wir als Lenkungskreis ein Team und gehen die Dinge gemeinsam an. Ich sehe meine Aufgaben darin, die vielen guten und gemeinsamen Ideen so zu strukturieren, dass daraus ein wirkungsvolles Gesamtprogramm entsteht. Dieses wird dann mit allen anderen Partnern im Ausschuss umgesetzt.

Jedes Deutsche Musikfest ist anders. Welche Besonderheit besitzt das Fest in Osnabrück?

Natürlich wiederholt sich zu allen Deutschen Musikfesten unser sogenanntes „Kerngeschäft“. Das sind die Wettbewerbe, Wertungsspiele, die Deutsche Meisterschaft der Spielleutemusik und das gemeinsame Musizieren. Schon allein hierzu ist es ein enormer Arbeitsaufwand, um allen Teilnehmenden ideale Rahmenbedingungen zu schaffen.
Jedoch ist das Besondere bei den Festen, dass wir in eine funktionierende, individuelle Kulturstadt eintauchen. Mit den vorhandenen musikalischen und pädagogischen Strukturen der Region zu agieren, das ist es, was es immer wieder spannend macht. Mit unseren Potenzialen und den gemeinsamen Partnern entsteht so auf kreative Weise etwas Neues. Die Friedensstadt Osnabrück hat eine ganz besondere kulturelle Geschichte, die sich durch gemeinschaftliche Projekte während des Deutschen Musikfestes darstellen lässt. Wir werden unter anderem auch Kompositionen mit Osnabrück-Bezug aufführen, sodass sich die Stadt auch im Fest wiederfinden wird.

Worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Als Programmverantwortlicher ist diese Frage nicht zu beantworten (lacht). Ich würde mich einfach freuen, wenn am Ende des Festes alle beseelt und mit bleibenden Eindrücken nach Hause gehen.

Welche Teilnehmer und Namen sind für das Programm ideal?

Natürlich hoffe ich auf eine rege Teilnehmerschaft unserer eigenen Verbandsmitglieder, damit der Gemeinschaftscharakter auch wirklich gelebt wird. Ich möchte, dass man sich gegenseitig zuhört und inspiriert. In den Galakonzerten und Workshops wünsche ich mir auch, dass man Solisten und professionelle Orchester erlebt und eine gegenseitige Befruchtung möglich wird, welche das Fest auszeichnet. Als Botschafter des Festes kann ich mir jeden mit regionalem Bezug vorstellen, der eine künstlerisch bedeutsame Affinität gegenüber unserem Genre ausdrückt. Auch wenn er oder sie nicht unbedingt mit dem Fest verbunden wird, so entstehen dennoch musikalische Reibungspunkte und Spannungen. Prinzipiell geht es mir aber nicht um besondere Namen oder Superstars als Aushängeschild, sondern darum, dass unsere ehrenamtliche Tätigkeit für und mit Musik im Vordergrund steht. Denn die Stars sollten letztendlich wir, die Musikerinnen und Musiker, die Ehrenamtlichen unserer Vereine und Orchester sein.

Welche Sponsoren und Partner sind notwendig für die Durchführung des Festes?

Da muss ich mich ein Stück weit raushalten, denn das liegt nicht in meinem Aufgabenbereich. Allerdings würde ich mich persönlich freuen, wenn der Programmaspekt ebenso einen entsprechenden finanziellen Rahmen zur Verfügung hat, wie auch die anderen logistischen Teilbereiche. Das schaffen wir natürlich nur durch staatliche Fördergelder, durch Bundeszuschüsse, aber eben auch durch Unterstützer wie die GEMA-Stiftung. Durch eine gewisse Nachhaltigkeit kann so eine seriöse Partnerschaft entstehen, die es zu stärken gilt

Die Blas- und Spielleutemusik bietet Platz für Austausch und Begegnungen. Im Wertungsspiel Marschmusik werden dieses Jahr beide vereint. Dabei steht die Blasmusik eher für das fördernde Element, während die Spielleutemusik den Wettbewerbsgedanken verkörpert. Welche Bedeutung besitzt diese Verbindung?

Die Spielleute haben mit der Deutschen Meisterschaft das Ziel, ein klares Ranking zu erzielen. Daneben gibt es die Wertungsspiele, dort erhalten die Orchester nach ihrer musikalischen Präsentation eine Rückmeldung darüber, was sie noch verbessern können. Der verbindende Punkt ist nun, dass wir beschlossen haben, ein gemeinsames Wertungsspiel „Marschmusik“ für Spielleute und Blasorchester anzubieten. Das Ziel dabei ist, den Teilnehmenden zu vermitteln, wie sie sich in der Öffentlichkeit qualitativ noch besser optisch und musikalisch präsentieren können. Durch das Wirken kompetenter Fachleute liegt der Fokus im Unterschied zu einem Wettbewerb oder Meisterschaft, im Helfen und Beraten.

Der Bläserklassenwettbewerb besitzt eine sehr kindgerechte Struktur. Was kann man von ihm erwarten, was wird passieren?

Wenn man an einem großen Event mit vielen Gleichgesinnten teilnimmt, spürt man eine unglaubliche Energie. Unseren Jüngsten in den Bläserklassen wollten wir nun dieses Gefühl, gemeinsam etwas zu erleben, ermöglichen, auch verbunden mit der Idee ein fächerübergreifendes Schulprojekt zu initiieren. Außerdem gibt es noch einen Videowettbewerb für alle die, die nicht nach Osnabrück kommen können. Dort senden sie aufgenommene Stücke themengerecht ein, die von einer Fachjury bewertet werden. Neben der instrumentalen Musik sollen sie in den Beiträgen unter dem Motto „Unsere Welt klingt bunt“ auch andere künstlerische Genre einfließen. Es geht auch hierbei weniger um den Wettbewerbsgedanken, sondern mehr um das gemeinsame Darbieten und vor allem um das gemeinsame Erlebnis.

Was bietet das Programm sonst für die Jugend?

Es wird ein Familien- und Kinder-Musik-Mitmach-Zentrum geben. Dort kann man Instrumente ausprobieren und die ganze Vielfalt der Musik aktiv erfassen. In Foren wollen wir zudem die Bedeutung der Instrumentalausbildung zeigen. Dem Begegnungscharakter wollen wir zum Beispiel mit einem unterhaltsamen Jugendabend entsprechen, aber auch durch zahlreiche Konzerte.

Wo in Osnabrück hätten Sie gern Schauplätze und Bühnen, wo möchten Sie gern die Musik erleben?

Wir tauchen in dieses urbane Zentrum ein, mit seiner eigenen historischen und kulturellen Geschichte. Wir haben vor, diesen städtischen Raum zum Klingen zu bringen, auch an ganz ungewöhnlichen Orten, und Musik so in einen neuen Kontext zu stellen. Musik im Konzertsaal kennt jeder. Aber damit auf die Straße zu gehen und auch damit zu überraschen, in welcher Verbindung Klang und Architektur stehen, das wird spannend zu erleben.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Schulze!

Text: Rebekka Hörnig
Foto: ©Heiko Schulze

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